Drei Häuser weiter.
In Bad Honnef zieht das Hörstudio Puchinger um — nur drei Häuser weiter in derselben Straße, und doch in eine andere Welt. Ein Besuch auf der Baustelle, wenige Wochen vor der Eröffnung.
Das Hörstudio gibt es längst: ein Meisterbetrieb, geführt von einem Ehepaar, beide Hörakustikmeister. Mit dem alten Ladenlokal waren die beiden unzufrieden — und dann ergab sich die Gelegenheit: drei Häuser weiter, noch bessere Lage, großes Schaufenster, Zugang direkt von der Straße. Ein schöner Altbau, in dem man zuerst den großzügigen Verkaufsbereich betritt.
Übrigens: Viele Jahre war hier ein Friseur zu Hause. Früher bekam man an dieser Adresse die Haare schön, heute hört man hier besser.
Der Altbau bringt allerdings mit, was Altbauten in solchen Lagen fast immer mitbringen: Die Fläche zieht sich über die gesamte Haustiefe nach hinten und verjüngt sich schlauchartig. Genau da beginnt die Grundriss-Aufgabe.
Die Aufgabe: Akustik im Schlauch
Ein Hörakustiker braucht keinen riesigen Verkaufsraum — die Produkte sind klein. Was er braucht, sind zwei Anpassräume, und auf die kommt es an: besonders ruhig, kein Hall, kein Schall, und groß genug müssen sie sein. Diese Räume im Schlauch unterzubringen war die eigentliche Herausforderung — und ich glaube, wir haben das sehr gut gelöst.
Dazu kommt ein Werkplatz mit offen einsehbarer Werkbank — bewusst nicht weggeschlossen. So bleiben die Räume offen, der Verkaufsraum ist immer direkt erreichbar, und das Handwerk ist sichtbar. Ganz hinten: Büro, Teeküche, WC.
Die Räumlichkeiten wurden komplett bis auf den Rohbau entkernt. Fenster ausgetauscht, Boden, Wände, Decke, Elektrik, Beleuchtung — alles neu.
Drei Tricks gegen den Schlauch
Im Verkaufsraum vorne haben wir die Decke so hoch wie möglich belassen — für einen großzügigen Raumeindruck, der zum Charakter des Altbaus passt.
Der Bodenbelag läuft ohne einen einzigen Versatz durch die komplette Fläche — einzige Ausnahme sind die Anpassräume, die aus akustischen Gründen Teppichboden bekommen.
Und der wichtigste Trick: Damit der Weg nach hinten nicht wie ein enger Flur wirkt, stehen die Wände leicht schräg — man läuft wie in einen Trichter hinein. Nur: Bei einem Boden im Schiffsformat würde man diese Schrägen sofort wahrnehmen, das irritiert. Deshalb liegt hier Fischgrät. In diesem Muster verspringen die Winkel ohnehin ständig — die schrägen Wände gehen im Muster auf, und der Raum fühlt sich beim Durchlaufen harmonisch an.
Kein Hörakustik-Grün. Kein Hörakustik-Blau.
Bei Hörakustikern sieht man fast immer dieselben Farben: ein kräftiges Grün, ein kräftiges Blau. Das wollten wir auf gar keinen Fall. Stattdessen haben wir auf dem gebaut, was schon da war: dem Bordeaux des bestehenden Logos. Daraus wurde eine moderne Farbwelt von Rosa über Orange bis Bordeaux.
Das Highlight: eine große grafische Tapete, die schon von außen durchs Schaufenster wirkt — und innen das Erste ist, was man sieht. Davor gruppiert sich eine Sitzgruppe mit schönen Stoffen auf Teppichboden. Wohnlich statt technisch.
Auch der Verkaufstresen ist bewusst anders: klein und abgerundet — und seine Rundung wiederholt sich dahinter als hinterleuchteter Torbogen. Verkleidet ist der Tresen mit einer vertikalen, hochglänzenden Fliese in Bordeaux: ein klassisches Element, das zugleich den Boutique- und Manufakturgedanken trägt. Denn Hörakustik ist Handwerk — hochwertiges Handwerk. Und das darf man dem Laden ansehen.
Die Menschen dahinter
Die Bauherren sind ein junges Meisterpaar mit einer klaren Haltung: eigene Marke, eigene Handschrift — keine Kette. Sie wollen neben ihren Stammkund:innen auch jüngere Menschen ansprechen, mit einem Laden, der die Hemmschwelle senkt statt sie aufzubauen. Die Zusammenarbeit war offen und harmonisch — alle Meinungen und viel Persönlichkeit sind gemeinsam in den Entwurf eingeflossen.
Die Ausführung liegt als Generalunternehmer komplett bei den Schumann Möbelwerkstätten, Bauleitung: Torsten Koch. Und die Begeisterung reicht inzwischen bis zur Vermieterseite des Gebäudes — wenn am Ende Mieter, Vermieter und Planerin glücklich sind, war es ein gutes Projekt.
Eröffnung: September 2026. Nach der Eröffnung folgt hier der komplette Werkbericht mit den fertigen Räumen.
- Ort
- Bad Honnef
- Aufgabe
- Umzug und Komplettumbau im Altbau — entkernt bis auf den Rohbau
- Räume
- Verkaufsraum, 2 Anpassräume, offener Werkplatz, Büro, Teeküche
- Ausführung
- Schumann Möbelwerkstätten (Generalunternehmer) · Bauleitung: Torsten Koch
- Eröffnung
- September 2026