Baustellenbericht

Drei Häuser weiter.

In Bad Honnef zieht das Hörstudio Puchinger um — nur drei Häuser weiter in derselben Straße, und doch in eine andere Welt. Ein Besuch auf der Baustelle, wenige Wochen vor der Eröffnung.

Das Hörstudio gibt es längst: ein Meisterbetrieb, geführt von einem Ehepaar, beide Hörakustikmeister. Mit dem alten Ladenlokal waren die beiden unzufrieden — und dann ergab sich die Gelegenheit: drei Häuser weiter, noch bessere Lage, großes Schaufenster, Zugang direkt von der Straße. Ein schöner Altbau, in dem man zuerst den großzügigen Verkaufsbereich betritt.

Übrigens: Viele Jahre war hier ein Friseur zu Hause. Früher bekam man an dieser Adresse die Haare schön, heute hört man hier besser.

Das neue Ladenlokal vor dem Umbau — Altbau mit großem, noch verhülltem Schaufenster
Das neue Ladenlokal im Januar — das große Schaufenster noch verhüllt

Der Altbau bringt allerdings mit, was Altbauten in solchen Lagen fast immer mitbringen: Die Fläche zieht sich über die gesamte Haustiefe nach hinten und verjüngt sich schlauchartig. Genau da beginnt die Grundriss-Aufgabe.

Grundriss des neuen Hörstudios — vom Verkaufsraum über zwei Anpassräume bis zu Büro und Teeküche
Der Grundriss: vorne Verkaufsraum, dahinter Anpassräume, Werkplatz, Büro

Die Aufgabe: Akustik im Schlauch

Ein Hörakustiker braucht keinen riesigen Verkaufsraum — die Produkte sind klein. Was er braucht, sind zwei Anpassräume, und auf die kommt es an: besonders ruhig, kein Hall, kein Schall, und groß genug müssen sie sein. Diese Räume im Schlauch unterzubringen war die eigentliche Herausforderung — und ich glaube, wir haben das sehr gut gelöst.

Dazu kommt ein Werkplatz mit offen einsehbarer Werkbank — bewusst nicht weggeschlossen. So bleiben die Räume offen, der Verkaufsraum ist immer direkt erreichbar, und das Handwerk ist sichtbar. Ganz hinten: Büro, Teeküche, WC.

Die Räumlichkeiten wurden komplett bis auf den Rohbau entkernt. Fenster ausgetauscht, Boden, Wände, Decke, Elektrik, Beleuchtung — alles neu.

Der Bestand im Januar — alte Tapetenwand, die Decke bereits geöffnet
Januar: der Bestand — die alte Tapete geht, die Decke ist schon offen
Die komplett entkernte Fläche mit freigelegten Deckenbalken — der lange Schlauch in voller Tiefe
Entkernt bis auf den Rohbau — gut zu erkennen: der lange Schlauch

Drei Tricks gegen den Schlauch

Im Verkaufsraum vorne haben wir die Decke so hoch wie möglich belassen — für einen großzügigen Raumeindruck, der zum Charakter des Altbaus passt.

Der Bodenbelag läuft ohne einen einzigen Versatz durch die komplette Fläche — einzige Ausnahme sind die Anpassräume, die aus akustischen Gründen Teppichboden bekommen.

Und der wichtigste Trick: Damit der Weg nach hinten nicht wie ein enger Flur wirkt, stehen die Wände leicht schräg — man läuft wie in einen Trichter hinein. Nur: Bei einem Boden im Schiffsformat würde man diese Schrägen sofort wahrnehmen, das irritiert. Deshalb liegt hier Fischgrät. In diesem Muster verspringen die Winkel ohnehin ständig — die schrägen Wände gehen im Muster auf, und der Raum fühlt sich beim Durchlaufen harmonisch an.

Farbrolle mit Terrakotta-Farbe im Eimer, im Hintergrund Fischgrätboden
Die Farbwelt kommt an die Wände

Kein Hörakustik-Grün. Kein Hörakustik-Blau.

Bei Hörakustikern sieht man fast immer dieselben Farben: ein kräftiges Grün, ein kräftiges Blau. Das wollten wir auf gar keinen Fall. Stattdessen haben wir auf dem gebaut, was schon da war: dem Bordeaux des bestehenden Logos. Daraus wurde eine moderne Farbwelt von Rosa über Orange bis Bordeaux.

Das Highlight: eine große grafische Tapete, die schon von außen durchs Schaufenster wirkt — und innen das Erste ist, was man sieht. Davor gruppiert sich eine Sitzgruppe mit schönen Stoffen auf Teppichboden. Wohnlich statt technisch.

Auch der Verkaufstresen ist bewusst anders: klein und abgerundet — und seine Rundung wiederholt sich dahinter als hinterleuchteter Torbogen. Verkleidet ist der Tresen mit einer vertikalen, hochglänzenden Fliese in Bordeaux: ein klassisches Element, das zugleich den Boutique- und Manufakturgedanken trägt. Denn Hörakustik ist Handwerk — hochwertiges Handwerk. Und das darf man dem Laden ansehen.

Marmor-Wandleuchten auf der grafischen Tapete in Rosa-, Orange- und Bordeauxtönen
Erste fertige Details: Marmor-Leuchten auf der grafischen Tapete

Die Menschen dahinter

Die Bauherren sind ein junges Meisterpaar mit einer klaren Haltung: eigene Marke, eigene Handschrift — keine Kette. Sie wollen neben ihren Stammkund:innen auch jüngere Menschen ansprechen, mit einem Laden, der die Hemmschwelle senkt statt sie aufzubauen. Die Zusammenarbeit war offen und harmonisch — alle Meinungen und viel Persönlichkeit sind gemeinsam in den Entwurf eingeflossen.

Die Ausführung liegt als Generalunternehmer komplett bei den Schumann Möbelwerkstätten, Bauleitung: Torsten Koch. Und die Begeisterung reicht inzwischen bis zur Vermieterseite des Gebäudes — wenn am Ende Mieter, Vermieter und Planerin glücklich sind, war es ein gutes Projekt.

Eröffnung: September 2026. Nach der Eröffnung folgt hier der komplette Werkbericht mit den fertigen Räumen.

Ort
Bad Honnef
Aufgabe
Umzug und Komplettumbau im Altbau — entkernt bis auf den Rohbau
Räume
Verkaufsraum, 2 Anpassräume, offener Werkplatz, Büro, Teeküche
Ausführung
Schumann Möbelwerkstätten (Generalunternehmer) · Bauleitung: Torsten Koch
Eröffnung
September 2026